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Thema:
Echtheitsbestimmung TL an Gusskernen - Afrika
Echtheitsbestimmung
mittels der Thermolumineszenz-
Methode ("TL") an Guss-Kernen von afrikanischen
Bronze-Objekten :
Keine Illusion
!
von Ralf Kotalla
" Labor Kotalla - Haigerloch , gegr. 1979
Es ist anhand
praktischer Erfahrung und Arbeit an ca 800
afrikanischen "Bronzen "- möglich alte Guss-Arbeiten
verschiedenen
Epochen zuzuordnen und neuzeitliche Arbeiten festzustellen.
1. Grundlage
Die
Echtheitsbestimmung erfüllt zwei notwendige Postulate von
naturwissenschaftlichen
Datierung- Methoden (absolute Datierung) :
1. Es muss
ein Prozess mit konstanter Geschwindigkeit ablaufen, die
Reaktionsgeschwindigkeit darf von äußeren Bedingungen
oder
Umwelteinflüssen nicht abhängig sein.
2. Die Reaktion
muss zu dem Zeitpunkt der Herstellung des zu
datierenden Gegenstand einsetzen.
Die "TL"-Methode
benötigt hierzu den Gusskern der " Bronze" - ein
Ton
der aus Quarz und Feldspat besteht - der von dem in die Gussform
einfließenden Metall erhitzt wurde , wobei die geologische
TL gelöscht
- Nullstellung - wird. Die Löschung der geologischen TL ist
die
erforderliche Reaktion , der Prozess einer konstanten Geschwindigkeit
ergibt sich durch den jährlichen neuen Zufluss = "Jahresdosis"
von zu
speichernder Energie bis zum Zeitpunkt der Messung - Prüftag
- der
seit der Herstellung = Nullstellung angefallenen Energie !
Die TL-Methode stellt also den letzten Zeitpunkt der Erhitzung fest
,
in der Regel den Herstellungszeitpunkt.
Forderungen
nach einer genauen wissenschaftlichen Datierung an
Gusskernen , aber auch an herkömmlichen Terrakotten aus Sammlungen,
Handel und Museen sind in der praktischen Arbeit äußerst
selten zu
erfüllen, da der Fundort und dessen spezifischen Umwelteinflussfaktoren
und deren Messparametern für eine exakte Altersrechnung nicht
mehr
erstellt werden kann !
Der "Echtheitstest mit einer eingeschränkten Datierung
" dessen
Ergebniss sich hauptsächlich auf materialinterner Auswirkungen
der
inneren Radioaktivität bezieht und dadurch eine größere
Interpretationsvarianz erfordert, reicht vollkommen aus , um neuzeitliche
Arbeiten zu erkennen und Arbeiten unterschiedlichen Epochen zu
zuordnen.
Auf eine Schilderung der physikalischen Grundlagen der "TL"
wird
aufgrund Ihrer mittlerweile weiten Verbreitung verzichtet. Der derzeitige
Wissenstand ist bei Aitken (1985) in detaillierter Form dargestellt
oder
bei Goedicke/Henschel (1994) -Möglichkeiten und Grenzen der
Datierungsmethoden an Bronzen.
2. Voraussetzungen
Die indirekte
Feststellung des Alters eines "Bronze"-Objekt ist gegeben,
wenn ein Gusskern aus gebrannten Ton (-bei Benin zu ca 80% durch
Wachs teilweise schwarz gefärbten Quarz+Feldspat ) für
eine TL-Analyse
vorgefunden wird. Der direkte Bezug des Alters zur "Bronze"
ist gegeben,
wenn dieser Gusskern im Zusammenhang mit der Herstellung
= Giessvorgang = Reaktion steht.
Stammt der Gusskern
direkt vom "Bronze-Objekt" , so ist das ermittelte
Alter auch das Alter des Objektes in Bezug der letzten Erhitzung
während des Herstellungsprozesses , unabhängig von späteren
äußeren
Veränderungen natürlicher und unnatürlicher Art.(Reinigungen,
Auffrischungen ,Restaurationen u.a )
Die Feststellung
,ob der Gusskern zum Objekt gehört ,verantwortet der
Probennehmer. Seine Erfahrung und Sorgfalt bei der Probenentnahme
ist fundamental. Manipulationen ,durch Anbringen von alten Gusskernen
oder zermahlenem Ton , sind festzustellen und zu beweisen.
(Details im Kapitel "Praktische Erfahrungen " )
3. Erfahrungen in der angewandten praktischen Arbeit
a. Getestete
Objekte - Probenorte -Probenentnahme-Probenmenge -
In den letzten
21 Jahren wurden mir ca 1100 afrikanische "Bronzen"
zur TL-Analyse vorgelegt.
(Häufigkeitsverhältnis 1. Köpfe-Platten dann 2. Anhänger-Figuren
-
3. Gefäße )
Dabei habe ich in ca 300 Objekten keinerlei Gusskern-Material oder
zu
geringe Mengen verwertbarer Gusskerne gefunden . Bei den ca 800
untersuchten Objekten erwiesen sich annähernd 20 % als geologisch
verschmutzt - verunreinigt und deshalb nicht auswertbar.
Nach meiner
praktischen Erfahrung muss der Behauptung , dass es in
offenen Platten, Anhängern und Gedenkköpfen keine Kernreste
zu
finden sind, widersprochen werden. ( Dies widerlegt auch der Bestand
des Berliner Völkerkunde-Museums , der zur Zeit annähernd
ca 372
Objekte dieser Art aufweist , von diesen haben über 300 Objekte
ausreichende Gusskerne, ebenso sind im Dresdner Museum für
Völkerkunde u.a. Museen genügend Beispiele zur Widerlegung
dieser
Behauptung vorhanden)
Die Probenorte
sind zum Teil schwer zugänglich. Das Gusskernmaterial
muss in der Nähe der Wandung entnommen werden. Bei größeren
Kernen ist zu beachten , dass durch deren schlechte
Wärmeleiteigenschaften trotz einer Gusstemperatur von ca 1000°
C.
die Gefahr besteht , dass die geologische TL nicht gelöscht
wurde und
somit eine Einordnung unmöglich wird.
Die Probenmengen,
die für einen Echtheitstest zu entnehmen sind,
liegen im Bereich von mind. 40-100 mg. , sodass eine sorgfältige
Probenaufbereitung und mind. ein Messablauf mit 10 Messungen pro
Probe erstellt werden kann. Diese durchaus kleine Probenmenge kann
unter sorgfältiger Entnahme aus kleinsten Poren der Wandung
, z.B.
Ecken -Kanten-Falten erfolgen.
Verunreinigte Proben ergeben bei den Messungen ein unnatürliches
Kurvendiagramm mit eventuellem zu hohen oder geologischen Alter.
Zur Fälschung eingebrachter zermahlener Ton von Terrakotta-Objekten
(mit entsprechendem Alter !) , ist bei Erfahrung des entsprechenden
Labors einwandfrei anhand der natürlichen Thermolumineszenz-
Kurvendiagramme zu erkennen.
Zur Fälschung
eingebrachter alter Gusskern aus der gleichen Epoche !?
hat nicht die gleiche Festigkeit und Verkrustung zur Metalloberfläche,
wie ein natürlich vorhandener Gusskern .
Wird diese Festigkeit durch Kleber/Bindemittel hergestellt kann
dies
durch die FT-IR Fourier-Transform Infrarot Analyse gesichert
nachgewiesen werden. Die Rasterelektronenmikroskopie und der EDX
(Energiedispersiver Röntgen Analyse) erbringt ebenfalls den
Nachweis .
b. Benötigt die TL-Analyse stilistische Vorgaben ?
N e i n ! !
! siehe Punkt 1. und 2. an die Anforderungen an eine
naturwissenschaftliche absolute Datierung/ Echtheitsbestimmung !
Es ist vielmehr
umgekehrt : die Stilistik afrikanischer Bronze-Skulptur
bedarf der Vorgaben der TL-Analyse , wenn man Willet 1983 glauben
darf , der feststellte , dass "die Geschichte der nigerianischen
Skulptur
noch immer episodischen Charakter hat" Duchâteau , 1989
,
Eszra 1992 ; Eisenhofer 1998 bestätigen diese Einschätzung
durch
umfangreiche Arbeiten zum Benin"Bronzeguss"
Das Wissen aus
Erfahrung ( Langevin- Tribal Art 2000/ II ) , dass der
größte Teil der auf dem afrikanischen Kunstmarkt angebotenen
"Bronzen" nicht alt ist , bedarf jeweils der einzelnen
Überprüfung und
nicht pauschaler Mutmaßungen , basierend auf bisher nicht
gesicherten
stilistischen Vorgaben.
Absolut neutrale Analysen-Ergebnisse müssen bei stilistischen
Festlegungen zur Kenntnis genommen werden.
c. Genauigkeit
- Toleranz
Die Genauigkeit
, basierend auf praktischer Arbeit an ca 800
afrikanischen Objekten und ca 400 asiatischen und zahlreichen
europäischen Bronzen, lässt
sich auf annähernd 1 0 0 % in der Aussage
"
N e u oder A l t "
festlegen .
Wobei die Alterstoleranz von zum Teil +/- 25-30 % auf das
ermittelte Gesamtalter, durch die meistens unbekannten Umstände
des
Fundortes und deren fehlender Vorort-Messdaten und deren Ersetzung
durch Interpretationsvarianzen, sog. Mittelwerten akzeptabel ist.
Dies
lässt stilistischen Überlegungen einen natürlichen
Spielraum.
(300 Jahre +/- 75 ergeben 1625-1700-1775 n. Chr )
Das Risiko ,
dass kleinste geologische Restmengen ein rezentes
Signal mit einem "Scheinalter" im Bereich 100-1100 Jahren
versieht ,
liegt nach meiner Erfahrung im Bereich 2-5 Promille . Diese
Wahrscheinlichkeit ist nur bei so genannten Kleinst-Probenmengen
um
und unter 40 mg gegeben.
d. Unabhängige
eigenständige weitere naturwissenschaftliche
Untersuchungsmethoden an " Bronzen "
Bisherige Referenzen
,wie " Craddock" oder " Werner " und deren
Untersuchungsmethoden als Möglichkeit der Echtheitsbestimmung
und
Datierung anzuführen, stellen einen veralteteten Standard dar,
der zwar
als Basisuntersuchung seinen Stand hat , jedoch von neuzeitlichen
hochempfindlicheren Analysengeräten und deren Anwendung ergänzt
wird und weit sicherere Aussagekraft hat.
Neuste Patina-Untersuchungen
- seit 1997 - mit z.B.
Speziesbestimmung , korrelierende ortsauflösende Elementanalyse,
datenbankgestützte Molekülspektroskopie und Atomspektometrie
geben hinreichende wissenschaftliche Aussagen zur
Echtheitsbestimmung von Bronzen .
Riederer 1994
- Echt und Falsch - gibt hierzu detaillierten Einblick in
die Vielzahl von Analysenmöglichkeiten und eröffnet dem
unbefangenen
Interessenten umfangreiche Informationen.
e.: Schlußbetrachtung - persönliches Anliegen
Durch TL-Analysen
, als einzige mögliche absolute
Echtheitsbestimmung/Datierungsmethode , an Gusskernen und durch
neueste Metall-und Patinaanalysen ist es möglich , Bezugsrahmen
zur
Entwicklung einer gesicherten Stilistik und Datierung der alten
Kulturen
Afrika s - z.B. Nigeria - zu liefern!
Traditionen
in den Kulturen südlich der Sahara wurden in der
Vergangenheit nur mündlich und nicht schriftlich überliefert
( Dokumente
aus der Zeit fehlen fast gänzlich , nach denen eine gesicherte
Stil-Lehre
und Ihre Begründung hergeleitet werden könnte). Hier ist
ein Ansatz
gegeben methodische Standpunkte aus ethnologischen Kreisen,
Wissen und Erfahrungen aus dem Handel und naturwissenschaftlicher
Methoden auf ein moderates " ethnologisches -praxisorientiertes-
wissenschaftliches " Fundament zu stellen. Es ist mir klar,
dass es
nicht möglich ist , alle Konkurrenten zusammenzubringen , wenn
einseitige Interessenlagen und Unkenntnis die Bereitschaft zukünftig
anstehender Aufgaben mit neuen Methoden zu lösen , blockieren.
Wünschenswert
wäre für mich in der TL-Arbeit , dass es auf dem
speziell schwierigen Gebiet der afrikanischen Kunst zu offenen
Gesprächen und einer Zusammenarbeit über bisherige Schranken
hinweg käme ,dies würde jede einzelne Position stärken
und keinesfalls
zur Überflüssigkeit einzelner Fach - oder Aufgabengebiete
führen.
Selbstverständlich
ist es , wenn im Einzelfall Zweifel am
Analysenergebnis aufkommt , den gesamten Vorgang eines
Untersuchungsergebnisses zu hinterfragen . Auf der Hand liegt es
doch
in solchen Fällen mit den zuständigen Experten darüber
zu sprechen ,
bevor mit irgendwelchen Argumenten die Gültigkeit und Genauigkeit
von
bewährten analytischen Methoden in Frage gestellt und behauptet
wird,
dass diese nichts taugen. Als Beispiel möchte ich die Argumentation
über die Verwendung von alten zermahlenen alten Tonen zur Herstellung
von ganzen Objekten anführen , die heute ohne Probleme als
solche zu
erkennen sind oder den Einfluss von Beopferungen an
Metallgegenständen auf den Patina-Wachstumsprozess, was ebenfalls
zu erkennen ist. Wer hier beim Experten für diese Problemstellung
nachfragt , wird die Bereitschaft vorfinden , dass dem Sachverhalt
nachgegangen wird und die diesbezüglichen Fragen beantwortet
werden.
Basis für
eine naturwissenschaftlich/technische Anwendung einer
Analysenmethode bleibt die Neutralität zum Objekt ohne Rücksicht
auf
das merkantilien Umfeld .
Literatur:
Aitken M.J.
1985 Thermolumineszenz
Dating , London
Craddock, Paul
T.
1985 Medieval
Copper Alloy Production and West African Bronze
Analysis
Duchâteau
1989 Benin ,
Kunst einer Königskultur , Paris
Eisenhofer 1998
Ezra , K.
1992 Royal Art
of Benin , The Metropolitan Museum of art , New York
Goedicke/Henschel
1994 Zur Chronologie
der Berliner Benin-Bronzen , Möglichkeiten und
Grenzen naturwissenschaftlicher Datierungsmethoden Baessler Archiv
bd 41 Heft 2 Berlin 1994
Riederer , J.
1994 Echt und
Falsch , Schätze der Vergangenheit im Museumslabor
Berlin, Heidelberg , New York
Werner , O.
1970 "Metallurgische
Untersuchungen der Benin-Bronzen des
Museums für Völkerkunde Berlin "
Willet F. und
Eyo. E.
1983 Kunstschätze
aus Alt-Nigeria , Mainz
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